Die multikulturelle Gesellschaft frisst ihre Kinder oder: Der permanente Ausnahmezustand

Wer dieser Tage die Meldungen aus Boston vernimmt, wird sich keinen Illusionen mehr hingeben. Die “offene”, multikulturelle Gesellschaft frisst ihre Kinder und sich selbst.
Sie ermöglicht zwei muslimischen Jugendlichen die Einreise in ein fremdes Land und den mehrjährigen Aufenthalt in selbigem. Was weder Globalisierung noch “melting pot” bewirken können, ist die Assimilation der kulturell fremdgeprägten Einwanderer. So erzählt der Ältere der beiden Brüder, er habe keinen einzigen amerikanischen Freund, er verstehe sie nicht. Stattdessen findet er Zuflucht in seinen traditionellen Wurzeln, vor allen Dingen dem Islam. Wer soll es ihm verübeln, ist die entgrenzte Gesellschaft, die seine neue “Heimat” darstellt, ein Sammelsurium von allem Beliebigem – und doch Nichts. Eine Anpassung an tradierte amerikanische Werte kann nicht erfolgen – vermutlich auch, weil es sie kaum noch gibt (Gerade als Deutscher sollte man hier nicht in Schadenfreude verfallen, die Konsumgesellschaft und der Wegfall von nationalen und christlichen Werten ist hier noch weit mehr vorangeschritten).
So wenden sich zwei Brüder ab von einer Gesellschaft, die nicht die ihrige ist und niemals sein wird. Von hier aus erfolgt der wahrscheinlich konsequente letzte Schritt, hin zum Terror.

Es bauen also ein 19jähriger und sein 26 Jahre alter Bruder Bomben aus Schnellkochtöpfen – allein dies sollte jedem die Tränen in die Augen treiben. Wer, der in einer intakten Gesellschaft, mit einer Identität ausgestattet ist, würde solch ein Schicksal für sich und seine Opfer wählen? Dies ist nicht allein mit dem Koran zu erklären: die Hassverse und die zugesagte Belohnung im Paradies machen den Schritt letztendlich einfacher, den Anfang machen die Jugendlichen allerdings selbst.
Es liegt nicht fern, sie mit ihrem westlichen Pendant, den Amokläufern zu vergleichen: Hier wie dort sind diese meist männlichen Jugendlichen Opfer einer Gesellschaft, welche aus Beliebigkeit besteht, deren einzige Gemeinsamkeit der Konsum, einziger kultureller Fixpunkt Starbucks und Apple, einzige Tradition der Selbsthass des weißen Mannes ist.

So nimmt das Schicksal seinen Lauf und die Gesellschaft ihre neue Struktur an: Zwei Nagelbomben explodieren beim Boston-Marathon, ein 8jähriger wird getötet, seine Schwester schwerverletzt, über hundert weitere Opfer sind zu beklagen. Diesem Irrsinn folgt die logische Konsequenz: Der Staat wertet Überwachungsvideos aus, muss zunächst einmal jedes Mitglied der Bevölkerung als potenziellen Täter betrachten – die Grundrechte jedes(!) Bürgers werden konsequenterweise eingeschränkt. Der Staat kann hier nicht in Gruppen unterteilen, einfach weil er jedem Bewohner seines Landes, sei er Muslim, Zuwanderer und/oder seit Geburt Amerikaner die gleichen Rechte zuspricht. Ein heterogenes Staatsvolk, in dessen Wasser sich die Feinde ebenjener Gesellschaft wie Fische tummeln können.

Folglich zieht jeder Anschlag die Einschränkung der Freiheit seiner Bürger nach sich. Die multikulturelle Gesellschaft ermöglicht erst das Einsickern des Feindes und sie bestraft alle, sollte dieser Feind zuschlagen. Im Falle Boston bedeutet dies: Eine ganze Stadt wird abgeriegelt, die Arbeit liegt still, die Bewohner werden angewiesen in ihren Häusern zu bleiben, die Polizei muss Block für Block durchkämmen. Es ist dies alles ein großer Irrsinn und doch so einfach herzuleiten.

Ein idealistisch-Liberaler würde hierzu sagen: Die Gesellschaft muss solche Anschläge aushalten, Repressionen durch den Staat dürften an keinem Bürger exerziert werden. Nur ist dies in der Realität nicht durchführbar (wenn überhaupt wünschenswert!). So ist in letzter Konsequenz als Antwort nur der Ausnahmezustand das probate Mittel, welcher mit jedem Anschlag mehr und mehr das Leben der Bürger einnehmen wird. Der Ausnahmezustand wird zur Regel, wer davon nicht überzeugt ist, sollte Schmitt und Agamben zu diesem Thema lesen.

Die multikulturelle Gesellschaft ist schlussendlich nur aufrechtzuerhalten, wenn der Staat sich in die Belange seiner Bürger einmischt, wenn er Videoüberwachung, Vorratsdatenspeicherung, Checkpoint-Kontrollen und ähnliches durchführt. Die offene Gesellschaft frisst ihre Kinder.